Guten Tag.
Er ist ja in den letzten Tagen recht ordentlich durch durch die Medien getreten worden, der Herr Niebel. Nicht, weil er das albernste Ministerium einer an Albernheiten nicht gerade armen Bundesregierung leitet, Gott bewahre. Sondern seines Teppichs wegen. Wir erinnern uns. Als Herr Niebel neulich am Hindukusch herumniebelte, um das Grundgesetz unter die Ungläubigen zu bringen, fiel ihm einiges auf.
Erwerb
Zunächst, dass der Afghane an sich recht gerne auf Teppichen herumlümmelt. Dann, dass er selbige auch gerne gegen Valuta zu veräußern bereit ist. Drittens, dass diese meist durch Kinderarbeit gefertigten Heimtextilien sehr viel günstiger zu haben sind als zuhause.
Also – flugs wurde ein Teppich erworben, so ungefähr 850 Euro soll das gute Stück gekostet haben. Jetzt bestand nur noch das Problem mit dem
Transport.
Wie auf dem folgenden Beweisfoto recht deutlich zu erkennen ist, neigt Herr Niebel seit jeher zum Schmuggel von Textilien aus Entwicklungsländern. Da aber auch die Kleiderordnung des Deutschen Bundestages nur eine geringe Anzahl geschickter Verstecke zulässt, musste er sich bisher auf Webwaren in der Preisklasse von Bettvorlegern beschränken.

Auf diesem Bild schmuggelt Herr Niebel gerade einen neukaledonischen Bettvorleger. (Quelle: Wikipedia)
Es musste also eine Transportmöglichkeit für den Teppich her. Was lag da näher, als bei der Lufthansa für 326 Euro ein Ticket zu buchen und selbigen Teppich von Kabul nach Berlin zu verfrachten? Richtig – so manches. Zum Beispiel, dass das Dienstflugzeug des Oberagenten des Bundesnachrichtendienstes gerade zur Hand war. Man so einen Teppich also kurzerhand auf Steuerzahlers Kosten von K nach B transportieren kann. Wieder 326 Euro gespart.
Zoll frei Haus
Ohne selbiges Prunkstück seiner Kemenate zu verzollen, ließ Herr Niebel den Teppich dann von seinem Fahrer (2 x 7,50 Euro/Stunde) nach Hause transportieren, um sich im Kreise seiner Lieben daran zu erfreuen.
Nachspiel
Leider leben wir in einer Welt voller Neider. Die Herrn Niebel seinen schönen Teppich nicht gönnen. Oder, dass er nicht wie ein Normalsterblicher für Privatvergnügen aus der eigenen Kasse aufkommen möchte. Oder, dass er wie ein Normalsterblicher Einfuhrumsatzsteuer zu entrichten habe.
Man kam ihm also auf die Schliche, dem Herrn Niebel. Schlussendlich wurde der mediale Bohai so weit getrieben, dass es im Deutschen Bundestag™ zu einer aktuellen Stunde kam.
Worum geht es da? Ist eigentlich ganz einfach. Im Deutschen Bundestag™ sitzen derzeit 622 furchtbar wichtige Leute, die so genannten Abgeordneten. Und so vier, fünf Mal im Monat tun sie das, wofür sie bezahlt werden. Dann setzen sie sich in ihr Großraumbüro und spielen gelangweilt auf ihren iPads herum. Ansonsten sitzen sie in kleineren Büros. Und lassen sich schwarze Koffer überreichen. Oder vögeln ihre Sekretärinnen. Manchmal ziehen sie sich auf den Bundestagsklos auch Koks. Oder sie fliegen in der Gegend herum und kaufen Teppiche.
Aber ich schweife ab.
Also an den zirka fünf Tagen im Monat, an denen diese Menschen ihren Job machen, reden sie auch miteinander. Manchmal haben sie ein Thema. Und wenn ihnen keines einfällt, dann machen sie eine aktuelle Stunde draus. Und spielen noch gelangweilter auf ihren iPads herum. Dafür bekommen sie 10.000 Euro im Monat.
Wenn also 622 Berufsfau… Abgeordnete fünf Arbeitstage im Monat haben, kostet das pro Nase und Tag 2000 Euro. Und wenn sie dann einen Tag lang beim iPad-Rumspielen theoretisch über Herrn Niebels Teppich nachdenken, macht das 1.244.000 Euro.
Gesamtkosten
Kommen wir also zum Schluss.
Ein Teppich: 850 Euro
Ein Transport von Kabul nach Berlin Tegel: 326 Euro
Lieferung frei Haus: 15 Euro
‘Vergessener’ Zoll: 161,50 Euro
Ein (weiterer) Tag Zeitverschwendung im Deutschen Bundestag™: 1.244.000 Euro
Macht zusammen: Total viel Zaster.
Den gar nicht Herr Niebel bezahlen musste. Abgesehen von den 850 Euro für den Erwerb, natürlich.
Summa Summarum
Sehr geehrter Herr Niebel, Lieber Dirk!
Irgend jemand muss ja Bundesminister für Apfelsaftnachschenken und peruanische Sorgenpüppchen sein, das sehen wir ein.
Dass Sie das sind, finden wir auch o.k., man stelle sich vor, irgend ein Irrer hätte Ihnen eine verantwortungsvolle Position gegeben.
Ebenfalls billigen wir, dass Sie in der Gegend herumfliegen und den Heiden die Segnungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung näherbringen.
Auch dafür, dass Sie sich wie ein Aal winden, wenn es um die Umgehung der deutschen Steuergesetzgebung geht, können wir Verständnis aufbringen. Den Staat bescheißt schließlich jeder, wenn er kann.
Selbstverständlich können wir auch damit leben, dass Sie das zwar versuchen, aber leider zu doof sind, sich dabei nicht erwischen zu lassen.
Dass Sie wegen so eines kleinen Betrugs keine Lust haben, zurückzutreten, finden wir auch o.k. Denn wo kann ein Diplom-Verwaltungswirt (FH) schon so viel Zaster einfahren, ohne jemals dafür ins Schwitzen zu geraten.
Aber.
Wenn Sie das nächste Mal unser Geld für Ihr Privatvergnügen in den Ofen stecken wollen, fahren Sie bitte mit dem Taxi nach Kabul. Da passt nicht nur ein Teppich rein, das ist auch erheblich billiger.
Danke.
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