Guten Tag.
Jetzt ist so ein gewöhnlicher Wochentag ja voller Nachrichten. Selbige kriechen über diverse Kommunikationskanäle und vielfältige Körperöffnungen in unser zentrales Denkorgan, unabhängig davon, wo selbiges individuell lokalisiert sein mag.
Wirft der geneigte Interessent einen Blick in das heutige Gruselkabinett des Neuen und Wunderlichen, gibt es die übliche Hausmannskost:
Gauck pocht, Italien bebt, der Vatikan wirft Mäule, Griechenland prasst, Annan heult Assad die Ohren voll und der Ägypter an sich ist mal wieder muffig mit sich und der Welt.
Gut, Sie können auch zu Spiegel Online gehen, da gibt es Titten. Vorzugsweise die von Uschi Obermaier. Und den Weltuntergang, vorzugsweise an der Börse. Weil der Dax nullkommanullzwei Prozent in unendliche Tiefen gestürzt ist. Oder die Titten von Uschi Obermaier gehen unter. Was ganz schön schlimm wäre.
Aber ich schweife ab.
Wenn man sich aus der Mainstream-Nachrichtenwelt jedoch für einen kurzen Moment verabschiedet, entdeckt man die eine oder andere Blüte am Wegesrand, die zum Verweilen einlädt.
Keine Angst, ich will Ihnen jetzt keine esoterischen Internetportale näherbringen, denn die gesammelten Erkenntnisse linker, rechter und verschwörungstheoretischer Wirrköpfe sollen heute das Thema meiner Ausführungen nicht sein.
Ich möchte mit Ihnen über eine Lokalzeitung reden. Genau genommen den Donaukurier, der sich im Raum nördlich von München einer gewissen Verbreitung erfreut. (Falls Sie sich jetzt fragen, warum ich hier verweile: weil Gott mich für meine Lästerlichkeit strafen will. Ausführlich.)
In selbigem Donakurier war heute folgendes zu lesen:
Klaas Carel Faber ist tot
Worum geht es? Der in diesem Artikel beschriebene Herr ist unlängst, nämlich am letzten Donnerstag, von uns gegangen, weil seine Nieren den Dienst versagten. Unser Mitgefühl ist selbstverständlich bei den trauernden Hinterbliebenen.
Warum aber, so werden Sie sich fragen, ist dieser (im biblischen Alter von 90 Jahren nicht ganz unerwartet eingetretene) Tod nicht nur eine Nachricht in einer bayrischen Lokalzeitung, sondern auch in diesem unserem Lieblingsblog wert?
Ganz einfach. Weil besagter Herr von Amts wegen bereits seit 66 Jahren sehr, sehr tot sein sollte. Zu dieser Zeit beschloss nämlich ein Gericht in den Niederlanden, dass es nach Altväter Sitte keine gute Idee ist, sich die Schuld an der Ermordung von 22 Menschen auf das eigene Gewissen zu laden. Und hinterher ohne Bestrafung nach Hause zu gehen.
Für die nicht so geschichtsfesten Leser möchte ich darauf hinweisen, dass es zu dieser Zeit durchaus noch üblich war, Menschen mitten in Europa staatlich sanktioniert vom Leben zum Tode befördern. Nicht, dass wir das billigen würden, beileibe nicht – wir halten solcherlei Unfug für einer zivilisierten Gesellschaft nicht würdig.
Die Tatsache, dass Faber allerdings als Mitglied der SS bis 1945 seine Berufung darin sah, Untermenschen von urdeutscher Scholle durch Ermordung zu entfernen, lässt uns durchaus mehr als nur eine Augenbraue lüpfen.
Urteilskraft
Jedenfalls wurde er 1947 rechtskräftig verurteilt, zusammen mit seinem Bruder Pieter Johan, der, ganz in Familientradition, dem selben Gewerbe mit ähnlichem Entusiasmus nachging. Besagter Bruder wurde auch postwendend vom Leben zum Tode befördert. Was die niederländischen Behörden dazu verleitete, dem Gegenstand unserer Betrachtung gegenüber ein gewisses Maß an Milde walten zu lassen: Das Todesurteil wurde in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.
Aber ach, offensichtlich sind die Mauern niederländischer Gefängnisse aus Käse, oder als Wärter dienen die Mitglieder ihrer Fußball-Nationalmannschaft. Man weiß es nicht. Jedenfalls ist SS-Mann Faber nach nur fünf Jahren Aufenthalt im Käsegefängnis entwichen. Und dorthin gegangen, wo er sich nicht nur in seiner geistigen Heimat, sondern auch in Sicherheit wähnte.
Zu Recht
Denn als Mitglied der Waffen-SS ist Faber durch Führererlass deutscher Staatsbürger. Und die liefert man in Deutschland nun mal nicht so gerne aus. Höchstens an die CIA. Wenn sie Bärte tragen. Und vielleicht im Internet mal in einem Salafisten-Video rumgepöbelt haben. Dann benötigt man keine Gerichtsverfahren, denn verständlicherweise gelten Grundrechte nicht für Bartträger. Schon gar nicht, wenn sie auch noch alberne Hütchen tragen.
Etwas anders sieht die Situation bei Führererlassen aus, denn die haben natürlich Bestand in Deutschland. Wo kämen wir da auch hin, wenn jeder dahergelaufene Käsefressergerichtshof Reichsdeutsche verurteilen könnte.
Bestandsschutz
Jetzt ist es ja nicht so, dass in den vergangenen einundsechzig Jahren die Niederlande nicht versucht hätten, einem geflohenen zweiundzwanzigfachen Mörder habhaft zu werden.
Und es ist ja auch nicht so, dass wir nicht einen frommen Bundespräsidenten hätten, der just zu dieser Stunde fromm bedauernde Lippenbekenntnisse in Israel von sich gäbe.
Auch trifft es zu, dass Herr Faber bis letzte Woche auf Platz eins der gesuchten Naziverbrecher des Simon Wiesenthal-Zentrums gewesen wäre.
Aber gut, Reichsdeutscher ist Reichsdeutscher. Und da muss man, Lippenbekenntnisse hin, Völkermord her, Prioritäten setzen.
Jetzt ist der Nazi tot, gestorben nach friedlichen Jahrzehnten im Schoß und Schutz des Reiches.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen noch einen angenehmen Heil Hitler.



Schweinerei, und ICH werde vom hessischen Justizminister (dem gelben Hahn auf dem Dach vom Bouffier) einfach nicht als Henker eingestellt.
Das entspricht NICHT dem Geist im Art. 21 Abs. 1 der Verfassung des Landes Hessen.
Mit Nazischerzen (“wünsche noch eine angenehme Hansestadt Hamburg”) würde ich vorsichtig sein,
nicht daß sie Dir auch (wie mir) zum Hitlergeburtstag das Haus anzünden.
Sonst steht hinterher die Baufausicht bei Dir in der Asche und sagt sowas wie “Wie sieht’s denn bei Ihnen aus, Herr Arschhaarzopf, Sie müssen dringend mal fegen”.
Nicht nur im Donaukurier ist über Faber zu lesen, auch bei der BBC: http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-18219795
Allerdings werden Dinge hier beim Namen genannt: Kriegsverbrecher. Ob der Kurier wohl einen Nachruck dieses Artikels erlauben würde?
Sauerei ! Mitlerweile gibt es eine riesige Verschwörung was diese Nazis und das Deutsche Reich angeht. Einfach mal dieses Video gucken !
http://youtu.be/XRzdWOLHRbU
Nun, laut seinem Wikipedia-Artikel hatte Faber seine niederländische Staatsangehörigkeit (nach niederländischem Recht) wegen seiner SS-Mitgliedschaft verloren. Gleichzeitig wurde er wegen selbiger aber zum deutschen Staatsbürger. Bedenkt man nun, daß deutsche Staatsangehörige nach damals geltendem Recht nicht ausgeliefert werden konnten (also selbst wenn “man” gewollt hätte), so sind die Vorgänge damals so weit noch nachvollziehbar. Wenn man gleiches Recht für alle möchte, so muß man eben auch damit leben, daß Nazi-Kriegsverbrecher unter dem gleichen gesetzlichen Schutz leben, wie ich oder auch Sie mein werter Arschhaarzopf.
Der Artikel erwähnt ebenfalls, daß es 1957 einen Versuch gab, den Fall beim Landgericht Düsseldorf verhandeln zu lassen, was aber scheiterte, da (laut WP-Artikel) die Niederlande die Vorlage von Beweismitteln verweigert hatten. Wäre ich ein Anhänger brauner Verschwörungstheorien, so würde ich sagen, der Prozeß von 1947 wäre eine reine Farce gewesen, quasi ein gerichtlich abgesegneter Racheakt. Allerdings gab es im Prozeß um das “Sonderkommando Silbertanne” (in dessen Rahmen Faber die Morde begangen haben soll), auch einen Freispruch (für einen gewissen Bernhard). Das ist zumindest ein Indiz, daß es damals mit “rechten Dingen” zuging (man verzeihe mir an dieser Stelle bitte das Wortspiel). Wenn es also doch irgendwelche Beweise gegeben zu haben scheint, die bei Faber für ein Todesurteil ausreichend waren, warum in aller Welt wurden diese dann 1957 nicht einfach vorgelegt? Diese ganze Faber-Geschichte hätte damit seit gut 55 Jahren geklärt sein können!
Aber nein, stattdessen lehnt das LG Düsseldorf das Verfahren “im Zweifel für den Angeklagten” ab. Bedenkt man, daß auch Nazis unter dem Schutz des Gesetzes stehen (und daß die Niederländer keine Beweise vorlegen wollten/konnten), ist das ja nun auch verständlich. In einem Rechtsstaat reicht es eben nicht, einfach mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und zu sagen “der da wars”. Das wurde in Emden ja (zum Glück!!!) vor kurzem erst nochmal ausdrücklich bestätigt.
Warum allerdings die nächsten 55 Jahre lang verzögert und herumgeschludert werden mußte, bis sich der Fall schließlich durch natürliches Ableben des Verurteilten quasi “von selbst” erledigt hat, leuchtet mir aber nun auch nicht ein. Durch dieses Trauerspiel der Bürokratie hat es Faber geschafft, sich der Strafverfolgung zu entziehen.
Und die Moral von der Geschicht: Nichts ist so wichtig oder dringend, als daß es sich nicht durch ausreichend langes Abwarten von selbst erledigt.
ah ich bin heut eh nicht gut gelaunt. da setz ich noch einen drauf und reblog das.
Reblogged this on Zweitesselbst's Blog und kommentierte:
na, das ist zwar von vorgestern, hat jetzt aber grad noch gefehlt!!
Reblogged this on gefunden und gebloggt und kommentierte:
ja warum eigentlich nicht, zweitesselbst hat Reblogging dieses Artikels gemacht und ich jetzt auch