Guten Tag.
Bei einer der letzten Lesungen in der glänzenden Lichterstadt Berlin legte mir ein Freund nahe, dass ich doch nicht all meine Texte mit ausschweifenden Einleitungen beginnen solle, das sei auf Dauer doch etwas eingeschränkt, stilistisch gesehen. Und zudem auch nicht immer lustig.
Nun gut, ich nehme mir diese Kritik zu Herzen (ausnahmsweise) und komme gleich zum Punkt.
Elefantenarschlöcher.
Sie kennen das. Deutschlands Innenstädte werden von Bettelmönchen unterschiedlichster Couleur belagert. Da buhlen die Schergen von Greenpeace, baptistischen Ketzerorganisationen und bärtetragenden Koranverteilungscombos um Ihr Geld, Ihre Seele oder beides. Eine der Organisationen, die hier für Ihr Verständnis und eine Einzugsermächtigung Ihres Girokontos wirbt, ist der WWF, der sich den internationalen Tierschutz auf die Fahnen geschrieben hat. Das sieht dann so aus:
So weit, so gut. Es gilt also, für 5 Euro im Monat ein niedliches Elefantenbaby zu retten. Die Frage ist nur: warum? Was, zum Teufel, soll ich mit einem Elefanten? Ihn in meinem Garten parken? Nach Afrika fliegen und ihm beim Rüsseln zuschauen? Seine rührseligen Patenschaftsbriefe lesen? Lange wusste ich keine Antwort auf diese Frage, am Wochenende konnte Kommissar Zufall dieses knifflige und weltbewegende Rätsel jedoch lösen:
Ich soll (Und Sie bitte auch! Denken Sie an die feuchten, traurigen Augen dankbarer Elefantenbabies!) dem kleinen Elefanten dabei helfen, groß zu werden. Ein großer, schöner, starker Elefant. Mit großen, schönen, starken Stoßzähnen. Und bevor sie sich fragen, ob Sie einen großen Elefanten leichter in Ihrem Vorgarten platzieren können als einen Kleinen: darum geht es nicht. Sondern darum:
Große Elefanten trifft man leichter.
Also, mit dem Gewehr. In den Kopf. Damit das Elefantengehirn über die Savanne spritzt. Und man ein paar schöne Stoßzähne hat, die man mit nach Hause nehmen kann. Ist eigentlich eine einfache Gleichung: kleiner Elefant = kleines Souvenir, großer Elefant = großes Souvenir.
Wenn Sie jetzt glauben, dass der WWF herzlich wenig damit zu tun hat, das Vergnügen waidmännischer Großwildjagd zu unterstützen, dann irren Sie. An besagtem letzten Wochenende befand sich der Ehrenvorsitzende des WWF Spanien, seine königliche Hoheit Juan Carlos Alfonso Víctor María de Borbón y Borbón-Dos Sicilias, das Staatsoberhaupt aller Spanier, in Botswana. Um das Gehirn eines Elefanten über die Savanne spritzen zu lassen.
Leider ist seine königliche Hoheit während der Ausübung höchster Waidmannskunst unglücklich gestürzt und brach sich die Hüfte.

Seine königliche Hoheit (vorne rechts) bei WWF-Konsultationen mit einem Elefanten. Der Elefant ist nicht tot. Der schläft nur an einen Baum gelehnt. (Quelle: guardian.co.uk)
Hierbei handelt es sich um ein Unglück in mehrfachem Sinne. Zunächst kostet der Abschuss eines Elefanten, ob groß oder klein, ca. 45.000 Euro an Bearbeitungsgebühren. Diese gibt der spanische Steuerzahler zwar gern für seinen König aus, ist die Arbeitslosenquote im Land doch immer noch unter 25 Prozent. Dass diese Gebühren trotz des entgangenen Abschusses aber nicht zurückerstattet werden, muss als Skandal angesehen werden.
Des weiteren wurde seine königliche Hoheit aufgrund der schlecht ausgebauten Straßen um sein Vergnügen gebracht und aufs Bösartigste verletzt. Dies muss die Ehre eines jeden Spaniers angehen. Wie kann es sein, dass ein 74-jähriger Potentat, in der Blüte seiner Jugend und Manneskraft stehend, so fahrlässig gefährdet wird? Gibt es denn keine geländegängigen Rollatoren, um seine königliche Hoheit vor diesen Unbillen zu schützen? Und warum wird das großkalibrige Jagdgewehr nicht einfach am Rollator montiert, damit auch ältere Staatsoberhäupter (man denke nur an den jagdfreudigen Prinzgemahl der englischen Königin!) noch die männlichste aller Sportarten ausüben können?
Konsequenzen
Sie fragen sich jetzt sicherlich auch, wie wir dieses furchtbare Unglück mindern können. Nun, das ist eigentlich ganz einfach. Ich rufe Sie hiermit ausdrücklich auf, eine 5-Euro-Patenschaft für ein süßes Elefantenbaby beim WWF zu übernehmen. Sobald wir 9.000 Freiwillige gefunden haben, kann Juan Carlos wieder auf die Jagd gehen. Endlich. Wenn sich noch ein-, zweitausend weitere uneigennützige Spender finden, ist ein bewaffneter High-Tech-Rollator ebenfalls drin.
Und, mal ehrlich: Wer von uns gönnt nicht einem verdienten Monarchen, der sich Zeit seines Lebens für Tierschutz einsetzt, das eine oder andere geschmackvolle Souvenir?


Sehr geehrter Herr Arschhaarzopf,
lassen Sie sich nichts erzählen. Ich mag Ihre ausschweifende Art viel lieber lesen & nehme mir das Recht raus zu behaupten, dass ich nicht die Einzige bin, die diese Art des Schreibens liebt.
Viele liebe Grüße,
Dörte
Das Lachen bleibt einem ein wenig im Halse stecken.
Aber es ist doch durchaus nachvollziehbar, warum der König Elefanten jagt. Wie es scheint, lassen die sich hübsch totschießen. Nicht wie ein Stier, den man aufs Blut reizt und der dann so freche Sachen macht wie in Menschenmengen zu springen und eben diese damit zu verletzen.
Und für so einen hübschen Untersetzer braucht man eben auch ein Tier, das groß genug ist. Ist doch klar. Ich denke, die 5 € sind gut angelegt.
Sehr geehrter Herr Haarzopf
Wie immer erheitert, wische ich mir ein Tränchen der Lesefreude aus dem linken Auge. Ich möchte an dieser Stelle jedoch beiläufig zu bedenken geben, dass der WWF kaum ein Interesse daran hat, die Savanne mit lecker Elefantenhirn zu düngen. Vielmehr tritt Flinten-Juan die Grundsätze einer Umweltorganisation, ihrer tausenden Mitarbeiter und Millionen Spender mit Füssen. Und das erstaunlich locker aus der Hüfte.
Es sei Ihnen versichert, dass diese Äusserung meiner persönlichen Meinung entspringt.
Hochachtungsvoll,
Ihr @souslik
Sir,
dessen bin ich mir vollumfänglich bewusst. Allerdings schmückt sich der WWF mit prominenten Großwildjägern. Das entzieht sich meinem Verständnis.
Falls Juan Carlos aus der Hüfte einen Elefanten erlegen kann, erklärt das auch die Fraktur. Und sichert ihm meinen vollen Respekt.
Es grüßt,
der Zopf.
Ich möchte an dieser Stelle jedoch beiläufig zu bedenken geben, dass der WWF kaum ein Interesse daran hat, die Savanne mit lecker Elefantenhirn zu düngen.
Das mag sein. Aber Fakt ist: Je mehr Elefantenbabys erwachsen werden, desto mehr große Elefanten können Wilderer abschießen. Die warten dann, bis die Elefanten mit WWF-Hilfe zu schönen, großen und starken Elefanten herangewachsen sind und schießen sie erst dann. Damit versorgt der WWF die Wilderer ungewollt mit Nachschub. Je nach Aktivität der Wilderer dürfte die Päppelei durch den WWF am Ende kaum einen Unterschied für die Erhaltung des Elefanten machen.
Wie man allerdings WWF-Mitgliedschaft und Großwildjagd als Zeitvertreib guten Gewissens unter eine Krone kriegen kann, ist mir ein Rätsel.
Es gibt bestimmt gute und schlechte Möglichkeiten, die Artenvielfalt zu schützen. Zu den schlechten gehört es, als Ehrenpräsident einer Umweltorganisation Elefanten mit Blei zu verzieren. Auch nicht optimal ist die Idee, Babyelefanten mit dem Fläschchen grosszuziehen und sie dann den Wilderern zu präsentieren.
Das wissen wir auch beim WWF. Die Arbeit zum Schutz der Elefanten findet deshalb auf vielen Ebenen statt. Dazu gehört zum Beispiel die Bekämpfung der Wilderei oder die Zusammenarbeit mit Regierungen und der Bevölkerung vor Ort. So entstehen messbare Erfolge, die uns motivieren, unsere Arbeit fortzusetzen. Die Alterntive dazu ist, Elefanten in gewissen Regionen aussterben zu lassen und das ist leider schon mit viel zu vielen Tierarten geschehen.
Ich glaub ja eher: Da stellt ein König gerne sein Glässchen drauf ab! Wieviele Liter von z.B. dem muss man eigentlich trinken um die Jagd für ein Vergnügen zu halten? Dat wird mir nie in den Kopp jehen.
Zum einen:
bitte schweifen Sie.
Danke für den nicht nur informationen, auch wunderbar fomulierten Beitrag.
Zum anderen:
…) Gefühl der Schadenfreude beim Lesen einer Verletzung empfunden.
Ganz gleich mit welchem Körperteil auch immer sich adelige oder unblaublütige Schießwütige an Elefanten zwecks Tötung versuchen … meinen Respekt versage ich den Versuchen und auch den Versuchenden.
Aber: schon lange nicht mehr habe ich das (ja, ich weiß, dass es ein minderwertiges Gefühl ist …
Und ich erspare mir die Aufzählung der Brüche, die ich noch wünschen würde…
@MackThe
Meine ganz persönliche Vermutung ist ein fast schon pathologisch zu nennendes Minderwertigkeitsgefühl gepaart mit einem Selbstbewußtsein in der Größenordnung einer Amöbe, welches es durch Erlegen großer Tiere zu steigern gilt. Vergeblich, wie ich vermute. Sonst wären nicht ständige Wiederholungsversuche nötig.
ob Hitler ein könig war? eher nicht
@ souslik (18.04., 20:25): Ich wollte hier auch nicht den WWF dafür kritisieren, dass er z.B. Elefantenbabys unterstützt. Dass diese Elefanten dann als Kanonenfutter für Wilderer missbraucht werden, kann man dem WWF nicht anlasten. Das ist einfach eine Nebenwirkung der sattsam bekannten Schlechtigkeit der Welt. Mein Kommentar galt eher dieser Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen und der königlichen Schießwut im Speziellen.
Dieser Fall zeigt wieder einmal den erstaunlichen Realitätverlust vieler Reicher, Mächtiger und Wichtiger – dass es nicht recht zusammenpasst, Ehrenvorsitzender einer Tierschutzorganisation zu sein und als Urlaubsvergnügen Jagd auf vom Aussterben bedrohte Tiere zu machen hätte er eigentlich vorher merken können.
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Ich dachte Realitätsverlust ist ab einem bestimmten Verdienst integraler Bestandteil des Seins