Okkulte Titanen

Okkulte Titanen

Guten Tag.

Nicht, dass ich ein Jurist wäre. Also, beileibe nicht.

Sehen so Juristen aus? Nein. Juristen sehen anders aus.

Sehen so Juristen aus? Nein. Juristen sehen anders aus.

Aus mir wird auch keiner mehr. Ebenfalls kein Kaufmann, Zahnarzt oder KFZ-Mechatroniker. Gelegentlich nagt an mir trotz unsolidem Lebenswandels und moralischer Zerrüttung aber doch so etwas wie ein Rechtsempfinden. Na gut, nicht oft. Heute allerdings schon. Da das Nagen und Zerren im Laufe der letzten Stunden immer stärker wurde, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, wie es dazu kam, dass diese besonders selten zutage tretende Saite meiner zarten Jünglingsseele angeschlagen wurde (und warum ich dieses Vorwort in so unsäglicher Sprache herunterschwurble):

An einem Dienstag…

… verlinkte die Twitterin mit der schönsten Nase der Welt in einem ihrer Posts den Blog von Myriel, in dem Selbige ihre Freizeit damit verbringt, Bücher zu besprechen. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, Menschen neigen nun mal dazu, ihre Meinung zu Dingen zu äußern. Ist ja sogar erlaubt.

“Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.” (Grundgesetz, Artikel 5, Absatz 1, Satz 1)

Naturliebhaber in mittleren Jahren: John Asht.

Naturliebhaber in mittleren Jahren: John Asht.

Der Blog, den diese Dame betreibt, ist nach eigenem Bekunden ”ein nicht-kommerzieller Webblog, auf dem ich über gelesene und andere interessante Bücher berichten möchte.” Von Berufs wegen beschäftigt sich diese (mir persönlich nicht bekannte Dame) mit anderem, nämlich Steuerrecht. Falls Sie sich die Mühe machen wollen, ihren Blog zu besuchen, werden Sie schnell feststellen, dass Blog und Dame einen Hang hin zu fantasy-lastiger Literatur haben und gerne alles besprochen/vorgestellt wird, was sie des Lesens für wert oder unwert befindet. Um ihrem Blog zusätzlichen Inhalt und Sinn zu verleihen, veröffentlichte sie am 16. November 2011 einen Post zu einem Fantasyroman deutscher Provenienz, namentlich TWIN-PRYX: Zwillingsbrut von John Asht.

Und obwohl in Myriel offensichtlich eine heiße Liebe für fantastische Literatur brennt, konnte dieses Werk ihr Herz anscheinend nicht recht erwärmen:

“Bei meinem ersten Versuch mit diesem Buch habe ich es nicht mal bis Seite 30 geschafft, beim zweiten Anlauf immerhin bis Seite 90. Einen Dritten wird es nicht geben.”

Meine Neugier war geweckt – dank der Wunder moderner Hochtechnologie und der gewitzten Marketingstrategie von amazon.com wagte ich einen “Blick ins Buch” – Um es kurz zu fassen: Auf den ersten Seiten tritt eine Frau in “altkeltischer Kleidung” 1933 aus einem Wäldchen in “Transylvanien” (sic!), zückt eine “babylonisch” anmutende Flöte und erblickt drei spielende Kinder im Graben einer mittelalterlichen Burg, woraufhin eine (andere) Dame in der üblichen Oberbekleidung der “nordamerikanischen Sioux” auf dem Wehrgang erscheint. Die erste Dame ruft daraufhin mittels ihres vorantiken Holzblasinstruments einen “Dämon”, der sich in eine Wolke hüllt und heiser Übles verkündet. So weit, so gut.

Bei aller Liebe. Aber im Deutschen schreibt man das mit zwei "s". Sagt der Duden.

Bei aller Liebe. Aber im Deutschen schreibt man das mit zwei "s". Sagt der Duden.

Wissenswertes über Erlangen

Also. Buchvorschau wieder zu, genug des Guten. Wir wollen hier ja nicht über den Inhalt dieses Werkes sprechen. Was Myriels Blogpost folgte, stellte sich nämlich schnell als erheblich interessanter heraus als schwurbelige Flötenensembles in pfiffig gewähltem mystisch-okkulten Ambiente. Der erste Kommentator des Blogposts war, einen Monat nach Veröffentlichung – John Asht. Ich möchte Ihnen seine Äußerungen nicht vorenthalten:

Wenn man den Zeitstempel in Myriels Blog als Gradmesser nimmt, müssen sich in der Nacht vom 16. zum 17. Dezember 2011 unaussprechliche menschliche Dramen in Erlangen (der Wahlheimat des Autors) abgespielt haben. Da der Sachverhalt der Kritik mit negativem Tenor ihm scheinbar den Schlaf zu rauben schien, veröffentlichte Herr Asht wenige Stunden später noch einen weiteren Kommentar:

Nach Lektüre dieser beiden direkt aufeinander folgenden Kommentare warfen sich erste Fragen für mich auf, die drängender waren als die Vorstellung von indianerbestickten Burgfräuleins auf osteuropäischen Burgzinnen:

  • Warum duzt der Mann jemanden, den er gar nicht kennt? Ist das so üblich?
  • Ist ein Alter von dreiundzwanzig Jahren nicht ausreichend, um sich eine eigene Meinung zu bilden?
  • Sind die “Mädel” nicht alle beim BDM?
  • Wie kann jemand, der als professioneller Autor reüssieren will, nicht wissen, dass ein Anwalt gar nichts ahnden kann, sondern nur ein Gericht?
  • Wer sind die “gewissen Leute”?
  • Lernt man in der Schule nicht, mit Apostrophen umzugehen?
  • Und was, zum Teufel, haben flötendudelnde Dämonenbeschwörerinnen mit “gehobener Literatur” zu tun?
Mädel, relativ ahnungslos.

Mädel, relativ ahnungslos.

Ach, Fragen über Fragen. Aber ich will Sie nicht langweilen, denn Antworten auf diese Fragen finde ich trotz intensivster geistiger Klausur auch keine. Da ich offensichtlich nicht zu den Menschen gehöre, die für gehobene Literatur geeignet sind, begnüge ich mich mit kürzeren Texten. Selbstverständlich steht es auch Herrn Asht frei, in einem Kommentar seine Meinung frei zu äußern. Allerdings gibt es da eine Kleinigkeit, die vielleicht ebenfalls Beachtung finden sollte:

“Diese Rechte finden ihre Schranken (…) in dem Recht der persönlichen Ehre.” (Grundgesetz, Artikel 5, Absatz 2, Satz 1)

Der Trick besteht sozusagen darin, dass man ein Werk kritisieren darf, wenn man der Person der Autorin nicht persönlich ans Bein pisst. Indem man zum Beispiel die geistige Qualifikation der Autorin als minderwertig darstellt.

Um der Gerechtigkeit genüge zu tun – Herr Asht ist mit seiner Meinung nicht allein auf weiter Flur. Zumindest der Verlag wollte behilflich sein, der Herrn Ashts Werk veröffentlichte. Und gleich in Myriels Blog noch einen nachlegte:

Gut. Dann bin ich eben doof. Aber zumindest wäre geklärt, wer die “gewissen Leute” sind, denen wir es zu verdanken haben, dass Kleingeister wie wir, die wir nicht zur treuen Anhängerschaft des Literaturtitanen John Asht gehören, ewig im geistigen Dunkel tappen müssen. Es sind “die Machthaber.” Ich prangere das an.

Der Tragödie nächster Teil

Dass sich jetzt ein Stuhlgewitter (siehe mein letzter Post) entwickelte, wird Sie so wenig überraschen wie mich. Dass sich in Myriels Blog inzwischen mehr als 370 Kommentare zu ihrem Post befinden, beeindruckte mich hingegen schon. Spannend ist, dass die meisten der Kommentierenden wenig Verständnis und Liebe für Herrn Ashts Äußerungen fanden. Der Tenor tendiert hier dazu, dass die Drohung mit Abmahnung, Gerichtsverfahren und gar schröcklichen weiteren Konsequenzen doch ein klitzekleines Bisschen übertrieben sein könnte. Allein – Fräulein Myriel zog es vor, auf die Anwürfe gelassen zu reagieren, sachlich zu argumentieren und nicht gleich das Ende der Welt herbeizusalbadern.

Sehen so Juristen aus? Nein, Juristen sehen anders aus. (Quelle: http://john-asht.blogspot.com)

Sehen so Juristen aus? Nein, Juristen sehen anders aus. (Quelle: http://john-asht.blogspot.com)

In krassem Gegensatz dazu befindet sich allerdings Deutschlands kommender Nobelpreisträger aller Kategorien. Der von mir im Stillen verehrte John Asht entblödete sich nicht, anhand seiner profunden, mutmaßlich bei Wikipedia erworbenen, juristischen Kenntnisse, eine Theorie zu entwickeln. Diese basiert auf einer Weltverschwörung, deren Hauptzutaten der §4 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, eine heimtückisch zu nennende Studentin und die kriminellen Machenschaften auf Buchmessen im allgemeinen sind. Ach ja. Und flötenspielende Altkeltinnen.

In seinem Blog weitet Herr Asht die Anwürfe gegen die uneinsichtige Myriel in voller Gänze aus, beleidigt sie, unterstellt ihr unlautere Absichten, beleidigt sie noch ein Bisschen mehr und droht schlussendlich triumphierend damit, dass er jetzt, da er unwiderlegbare Beweise habe, das Strafgericht seiner okkulten Götter, des Rechtsstaates und alle anderen ihm zu Gebote stehenden Gerichtsbarkeiten über sie hereinbrechen lasse.

Würde sogar in einen Tweet passen. (Quelle: http://john-asht.blogspot.com)

Würde sogar in einen Tweet passen. (Quelle: http://john-asht.blogspot.com)

Ceterum censeo

Aber kommen wir zum Schluss. Lieber Herr Asht, hochverehrter Roder Verlag. Ob Sie Bücher schreiben und/oder  veröffentlichen, ist mir egal. Selbst wenn darin grünäugige Keltenbitches mit arschigen Doppelnamen vorkommen. Oder heiße junge Squaws. Oder meine Mutter.

Es ist mir ebenfalls egal, wenn Sie die beleidigte Leberwurst spielen, weil jemandem eines Ihrer (meiner bescheidenen Meinung nach armseligen) Büchlein nicht gefällt.

Auch die Verbreitung kruder Hirngespinste und halbgarer Behelfslyrik ist vornehmlich ein Problem, das Sie mit Ihrer umfangreichen Fangemeinde teilen, nicht mit mir.

So. Jetzt aber mal Ironie aus.

Wenn Sie jemanden als Menschen beleidigen, der Ihr Werk, nicht Ihre Person kritisiert, überschreiten Sie eine Grenze. (§185 StGB)

Wenn Sie dieser Person drohen, überschreiten Sie die nächste Grenze. (§240 StGB)

Wenn Sie dieser Person übel nachreden, haben Sie noch eine Grenze überschritten. (§186 StGB)

Und wenn Sie laut herumtönen, dass diese Person verbrecherische Absichten gegen Sie hege, WEIL DIESER PERSON IHR BUCH NICHT GEFÄLLT, ist das Maß voll. (§145d StGB)

Denn, verehrter Großmeister der deutschen Sprachkunst, auch für die Autoren von Blogs gilt:

“Eine Zensur findet nicht statt.” (Grundgesetz, Artikel 5, Absatz 1, Satz 3)

Ich solidarisiere mich hiermit ausdrücklich mit Myriel und dem von ihr zu diesem Thema verfassten Blogpost. 

(Ach ja. Wenn mein Buch bei Amazon im Verkaufsrang von 250.000 auf 50.000 hochgeht, weil sich endlich eine gute Seele gefunden hat, die sich zumindest die Mühe macht, es zu zerreißen, würde ich ja mein Maul halten und weinen. Vor Dankbarkeit. Und deine Mudda spielt babylonische Flöten in rumänischen Wäldern.)

43 Antworten »

  1. Eine wunderschöne gar poetische Blume ironsicher Kommentierung. Fein umrändert und bunt gegliedert. Seicht im Abgang mit leichter Erdbeernote. Toll. Gerne wieder.

  2. Herr Asht sollte vielleicht mal über den Satz von Oscar Wilde nachdenken: „Besser die Leute reden einen tot, als sie schweigen einen tot.“

    Wer so mit Kritik und Kritikern umgeht verdient es eigentlich nicht, dass man sich weiter mit ihm und seinen Werken beschäftigt.

    Aber trotzdem eine schöne, treffende Stellungnahme vom arschhaarzopf.

  3. Als ich den Blog dieses Möchtegern-Schreiberlings überflogen (Ja, Herr Asht, ich habs nur überflogen – mehr kann ich mir nicht zumuten!) habe, habe ich gedacht: “Hat der Typ sie eigentlich noch alle??!!”
    Und nun wende ich mich (da sein Blog dies offenbar nicht zulässt – warum nur?*) an Herr Asht:
    Seien Sie versichert, Herr Asht: Nicht alles, was keine Käufer findet, ist “grosse Literatur”. Ich gebe zu, vieles, was heute massenhaft verkauft wird, ist Schund, und vieles Grossartiges verkauft sich oft schlecht. Aber sich über die schlechten Verkaufszahlen hinwegzutrösten, dann sei es halt eben hohe literarische Kunst, ist als wenn man sich trösten wollte, dass wenn man durchs Abitur gefallen ist, man dann ein Genie Einsteinschen Ausmasses ist – der ist ja auch zunächst mit Pauken und Trompeten durchgefallen!
    Abgesehen davon, dass ich bisher weder von Ihnen noch von Ihrem Verlag je etwas gehört hätte, habe ich nicht den Eindruck, viel verpasst zu haben. Und ich denke, ich werde es dabei bewenden lassen.
    *) Herr Asht: Entschuldigen Sie, ich kann Ihnen ja tatsächlich auf Ihrem eigenen Weblog eine Nachricht hinterlassen. Warum aber erscheint dann ein Popup-Fenster, das mich anscheinend zum Abonennten irgendeines dubiosen Newsletters (oder was das auch immer ist) macht? Ist dies Ihre Form professionellen Umgangs mit dem Publikum?

  4. Pingback: Ein Blog, ein Buch, eine Rezension und die Kunst mit Kritik umgehen zu können | konsensor.de

  5. Sie werden meine nun ausfallende Art entschuldigen.

    Hat dieser Mann, dieser selbst ernannte Autor, dieser Prolet, dieser Möchtegernschreiberling, dieses arrogante A****loch eigentlich einen Hauch funktionierende Hirnzellen in seinem Kopf?

    Nicht nur, dass dieses Buch nach 3 Zeilen zum Verbrennen verleitet, nicht nur, dass die Covergestaltung (ja, ich muss das jetzt noch einmal sagen) meinem letztes verbleibenden Auge die Pupille implodieren lässt… nicht nur das. Nein.

    Stellen wir uns mal vor, wir schreiben ein Buch. Sie und ich, Herr Zopf, wir schreiben ja gern. Und wir finden ja toll, was wir schreiben. Und wir hören uns auch gern die Meinung anderer an. Oder nicht? Und wenn eine Kritik kommt, denken wir darüber nach. Ist sie gerechtfertigt, werden wir sie beachten. Ist sie nicht gerechtfertigt, nehmen wir sie hin. Meinungsfreiheit sei hier nochmals zum Stichwort erkoren. Und das tun WIR als kleine Bloggerleins.

    Nun sitzt da ein Autor, der sein Buch verkauft. Und da ist eine Bloggerin, die gern liest. Und sie findet das Buch so schlecht, dass sie es nicht fertig lesen KANN. Und das teilt sie mit. Als eine MEINUNG.

    …Herr Zopf, ich schreibe gerade Ihren Blog neu, breche deswegen ab. Auch weil ich nun weinen muss, da ich erblinde. Das Cover, Sie verstehen.

  6. Herr Asht hätte sich vielleicht seine eigenen Worte mehr zu Herzen nehmen sollen: “Seid gegrüßt, liebe Freunde und Fans – aber auch ihr erbarmungslosen Kritiker und Feinde. Schauet rein und lobet mich, oder schießet mich auf’n Mond [...] Hauptsache: Fair! Egal wie, ich werde mein Haupt neigen vor euch[...]” (Zitat aus dem Header von http://john-asht.blogspot.com/)

    Vor allem “fair” wäre sicherlich hier ein Schlagwort gewesen.

  7. Pingback: Was man als Autor eher nicht tun sollte … « Buchjunkie

  8. Das überrascht mich einerseits nicht, andererseits danke ich, dass jemand mal seinen Mund aufmacht. Ich habe diese Person seinerzeit wegen perversen und obszönen Kommentaren auf meiner Pinnwand bei FB blockiert. “Literarische Kreise”, die sich um ihn scharten, ja ja…. sehr gebildet.

  9. bin zwar immer noch der meinung, daß der herr viel zu viel aufmerksamkeit auf sich zieht, aber dein beitrag hatte in sich (abgesehen von inhaltlicher zustimmung) einen nicht zu vernachlässigenden unterhaltungswert. vllt liegt darin der tiefere sinn der saga von der “grünäugigen keltenbitch”, daß das werk sozusagen auf der metaebene für unterhaltung sorgt.. leid tut mir nur myriel. egal wie souverän sie diese schlammlawine beherrscht, im innern wird es schon gären….

  10. Trotz des langen Blogbeitrages sehr unterhaltsam und beim Lesen merkte ich, dass sich meine Lippen oft zum Schmunzeln nach oben zogen.

    Gerne lese ich mehr solche Beiträge. Danke!

  11. Ich möchte mich gar nicht gross einreihen in die Schlange derer, die den Autor nun zum Mond schiessen (oder scheissen?) wollen. Mich hat alleine schon die Koketterie mit dem allseits bekannten und beliebten “Twin Peaks” davon abgehalten, hier auch nur ein Wörtchen dieser “grossartigen Literatur” zu lesen. Innerlich höre ich David Lynch leise lachen. Aber was ich hier los werden muss, ist: Herr Zopf, ich mag Ihre Schreibe sehr.

  12. Zunächst mal möchte ich festhalten, dass Verfasser von Büchern, die im Deutschen amazon-Ranking eine Platzierung im sechsstelligen Bereich einnehmen, für meine Begriffe mit der Berufsbezeichnung “Autor” oder dem Gütesiegel “Gehobene Literatur” etwas sparsamer umgehen sollten.

    Rang 250.000? Da kann ich mich auch Franziska Kuhscheisse nennen und meine eigenen Zitate als Enzyklopädie heraus bringen, und hätte mehr Erfolg.

    Aber ich möchte nicht auch noch verklagt werden, und bevor nun mein Beitrag mit Stilblüten und Retour-Kleinoden á la “Du hast ja wohl den Asht offen” bedacht wird, werde ich hiermit offiziell und unmissverständlich heraus streichen: Ich kaufe jedes Buch von John Asht, weil ich es für wunderbar und großartig halte und ich froh bin, dass der Hemingway der Fantasy-Literatur sich überhaupt erbarmt, mit uns unwürdigen in den Dialog zu treten.

  13. öhm? überschriften sind immer noch die beste zusammenfassung

    “Okkulte”

    “Okkultismus (…) ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für verschiedenste Phänomenbereiche, Praktiken und weltanschauliche Systeme, (…)*

    ergo: wer´s glaubt, glaubt für sich.

    und

    “Titanen”

    Die Titanen (…) sind in der griechischen Mythologie ein mächtiges Göttergeschlecht, das in der legendären Goldenen Ära herrschte.[1] (…) in dem sie nach hartem Kampf schließlich verloren und in die Tiefen der Unterwelt, den Tartaros, getrieben wurden.

    [1] Er bezeichnet eine als Idealzustand betrachtete friedliche Urphase der Menschheitsgeschichte vor der Entstehung der Zivilisation.*

    * Wiki*

    naja und zivilisiert sein… hätten wir trotz unserer Befindlichkeiten bei Anstand und Würde, wohl alle gerne …

    Bei allem schuldigem Respekt über die Mühe der Arbeit zur Verfassung des Blogs, doch ich denke, Ich lese lieber wieder die Süddeutsche oder gehe heute Abend ins Cabaret.

    Vielleicht greife ich mir auch mal wieder den guten alten Walt Whitman, Mary Godwin (Mary Wollstonecraft Shelley), Esther Vilar oder wage mich an Ulysses –

    wahrscheinlich gebe ich aber auch einfach wieder nur auf

    und freue mich ein Idiot zu sein, der stumpf bei Bier und Serie,

    die Welt erst recht vor der Tür lassen möchte.

    Der nunmal nicht der antike noch der moderne Prometheus ist, sich eine post Geniezeit voller Tatendrang in stürmischen Zeiten wünscht und sondern der schlicht “ich” sein möchte, alöso ecco homo sapiens – vernunftbegabter; da man es eh Niemanden recht machen kann und ohnehin jeden Tag mehr darum bemüht ist, seine eigene Wahrheit mühsam als real zu hinterfragen und sich ganz subjektiv selbstüberzeugt zu motivieren.

    Noch vor diesem Bericht gab es vage Freuden, stets in jedes Lager und der dort herrschenden Meinung, pardon Überzeugung hinein-, präziser zu zu hören, diese respektieren zu lernen (weil nicht eigene) und abwägen zu können was man davon für sich, wenn überhaupt, akzeptieren könnte (was aus eindeutigem verständnis eher selten vorkommt).

    Die toten Autor(in)en kann ich nicht mehr fragen, bin auf mich und eine ganze Menge Klugscheisser, die es oft nicht besser hinbekommen haben, angewiesen – und Anweisungen sind einer Meinungsbildung nicht förderlich.

    Die aktuell lebenden Autoren, machen mir allerdings auch nur noch wenig Freude mit ihren öffentlichen Stellungnahmen.

    Sartré ist für mich zwar sehr komplex, aber ein Satz bekommt immer mehr Substanz und legt sich als Sinn in meinen Gedanken nieder, (den ich hier nur frei zitieren)

    Ist Dein Werk veröffentlicht, ist es nicht mehr Deins.

    Warum denken viel zu viele Leser, dass sie Einfluss auf ein bereits veröffentlichtes Werk nehmen könnten oder auf ein folgendes Einfluß nehmen könnten (ich meine die “Die Zeit Online” mal aussen vor gelassen, die als erste, ihre Fahne in den Web-Wind hält) und warum reagieren einige Schreiber darauf und denken sich unbedacht schnell, emotional unbefreit darauf einzulassen?

    Wir klingeln doch auch nicht an die Tür des Schreibers, wenn uns das Buch nicht gefällt oder besuchen einen Leser, der eine eigene Meinung hatte? Zumindest, wenn wir uns ziviliert nennen wollen.

    Schreiben?! Viele zu viele, die eine Tastatur haben und auf einem Sekundenmedium Gedanken niederschreiben, denken, dass dies Literatur sei. (und das bezieht sich auf eine allgemeine, nicht auf diese spezielle Situation). Die Flüchtigkeit des Redens, nun dokumentiert, wird betoniert und bombardiert. Viel davon haben noch nicht mal etwas erlebt, um es authentisch wiederzugeben. viel zu viele Schreibtischtäter mit schnell recherchierten Fakten zu guten, aber oft nicht einmaligen oder neuen Ideen. Soviel geschriebener Text, das man mit der Muße zum bedachten Lesen gar nicht mehr hinterherkommt. Am Ende kommt ein großer, wütender Haufen raus. Denn die Randnotiz im Buch ist für den Leser gewichtige Notiz und wenn jemand etwas öffentlich stellt, dann muss er auch Kritik in seiner Äußerung eingestehen können. Doch die Komonation aus beiden, scheint tatsächlich noch Urgestein zu sein, noch roh, rauh und unzivilisiert. Benötigt wohl noch mehr Zeit. Aber was weiß ich …

    Ich wünschte es gebe mehr Autoren wie Aldous Huxley, der in seinem Vorwort in der (ich glaube) 3. Auflage Stellung zu seinen eigenen Gdanken im Werk nimmt, dieses jedoch unangetastet lässt, da es zu seinem Zeitpunkt nunmal seine Überzeugung wiedergibt. Das ist keine Erläuterung es ist eine Anteilnahme am Zeitgeschehen. Ein Interessa am Werk und seine Leser, ohne es denen Recht zu machen, im Gegenteil.

    Papier ist geduldig. Das Netz ist Nörglig, um die Kritik einet Freundin zu fazitieren.

    Ich unterhalte mich mit der Buchverkäuferin aktuell lieber über die Nachbarschaft oder mit ihrem Kollegen über Werke mit vielen Bildern.

    Mensch!?!

    Was weiß : ich was kommt,
    was kann ich ändern : an dem was war.

    Im Jetzt empfinde ich diese Diskussion eigentlich nicht den Zeitrahmen wert, den es verbaucht hat.

    Aber gute Ablenkung entgegen meiner eigenen Sorgen war es – ergo danke.

  14. ps.

    .. und @John, fluchen, zicken, die hybris ausleben, maschismo pflegen, dinge und zusammenhänge eigenwillig sehen und interpretieren, eomtional lospoltern, schreiben, schimpfen, provozieren, polarisieren, sich gekränkt fühlen, das eigene werk logisch oder unlogisch dafür um so motivierter verteidigen, die ganzen jahre des studiums und der recherche in die waage legen und sich unverstanden fühlen – alles zulässig.

    doch drohen ist, nicht nur unzivilisiert, sondern grenzwärtig und für einen mann des Wortes, in der hier zitiert zu lesenden art und weise beschämend – doch darüber wird Dich Dein Anwalt dann eh informiert haben.

    Ich denke, mit etwas drüber schlafen, wirst Du die ganze Angelegenheit heute aus einem anderen Blickwinkel sehen und entsprechend, vielleicht weniger öffentlich und sachlicher reagieren.

  15. vrdmmt.
    ich will sofort mein geld zurück!
    warum hat mir denn VORHER keiner gesagt, dass dieses buch scheisse sein soll?

    hä?!
    ich habs gelesen und wusste endlich, was ganz ganz ganz GROSSE literatur ist, denn der dings (asht oder so) hat total viele verschiedene buchstaben miteinander kombiniert und daraus viele einzelne dings, äh wörter, gebildet, die dann am ende sogar sätze formten.

    inhalt ist doch scheissegal!
    braucht keine sau!
    ihr immer mit euren inhalten!
    inhalte werden total überbewertet!
    guckt euch doch nur um in der welt, überall inhalte. und? genau, keiner lebt deshalb länger.

    ausserdem hat der dings recht. ich beschäftige häufiger studentinnen, die dann, wenns geht nackt, bücher besprechen sollen. natürlich mot miesen ergebnissen. das gilt aber nur für die bücher, die das potential hätten, also theoretisch, die welt retten zu können. sowas braucht doch keine sau.

    scheiss auf die welt.
    scheiss auf inhalte.
    scheiss auf haufen.

    wenn das da oben beschriebene nicht passiert wäre, würde ich natürlich für den erhalt dieser welt kämpfen. aber jetzt.. tja, denkt daran..ende 2012 kommt der große rrrülps. und dann ist schluss. und dieser dings, der asht, ist dran schuld!

    ätsch!!!

  16. Das hast Du schön gesagt. Danke für den schönen Post!

    Nicht wundern über den Sprung im Ranking, den Ashts Buch gemacht hat: Ein mir bekannter Rezensenten-Mafioso hat gestern die Kindle-Version GEKAUFT (von 0 Käufe auf 1 Kauf macht halt einen Riesensprung, wenn man bedenkt, wieviel ungelesener Schritt bei Amazon im Kindle-Regal verschimmelt) und liest sie, Statusupdates bei Twitter inklusive. Folgt @phantasteglseer !! Die Rezi gibt’s dann wahrscheinlich bald auf fictionfantasy.de.

  17. Pingback: kubiwahn » mal so nebenbei

  18. nettes statement! danke. täte vielen gut vorher den kopf einzuschalten, bevor sie anfangen zu schelten. anstand-fairness-zurückhaltung-gleich&edelmut-toleranz über die in der fanta-fic. soviel gelabert wird scheinen vergessen, wenn es an die eigene haut geht. dabei war es nie die eigene haut, sondern nur einige gedankenfetzen… schade. danke dass dir soetwas auffällt und mir nun auch. mfg.leander8

    • Danke für den Hinweis. Im (mir bisher unbekannten (bin aber ja auch kein Buchblogger oder Fanzine-Leser)) fandom observer wird der Fall Asht auf insegsamt neun Seiten nochmals inklusive vieler Hintergründe ausführlich dargestellt. Sowohl der Artikel selbst als auch das Interview mit John Asht sind lesenswert und werden von mir deshalb an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen!

      Schön gemachtes Fanzine haben Sie da. Chapeau.

      • Danke für den Hut!

        Wir haben sogar noch eine echte Papierausgabe … Die ist nicht schneller als das PDF, sieht schlechter aus und nach einer Weile riecht sie streng (wegen dem Umweltpapier oder was das ist). Aber wir lieben sie.

        Und wir sind immer dankbar, wenn jemand wie Asht aufkreuzt.

  19. Pingback: Der satirische Wochenrückblick - The Rainlights Gazette

  20. Pingback: blanksites.com » Archive » Der laszive Johnny mit dem Cowboyhut

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s